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Das kann ihr Wein...

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BODEGAS CUENTAVIÑAS | EDUARDO EGUREN | RIOJA DOCa

Der Weinbergserzähler – Eduardo Eguren und sein Cuenteviñas-Projekt

Eine Neugründung zu unternehmen ist immer mit gewissen Risiken behaftet, und in der Rioja ist dies nicht anders, selbst wenn man einer berühmten Weinmacherdynastie entstammt. Für Eduardo Eguren bestand jedoch nie ein Zweifel daran, dass er irgendwann eine eigene Interpretation seines Heimat-Terroirs in Angriff nehmen würde. Vor fünf Jahren startete er sein kleines Eigenprojekt Cuentaviñas, und in gewisser Weise ist diese Wortkreation Programm. Als Weinbergs-Erzählungen oder Weinbergs-Geschichten könnte man den Namen des Winzerbetriebs mit einer gewissen Freiheit übersetzten, und damit schafft der junge Winzerspross auch schon etwas Distanz zum langen Arm der berühmten Eguren-Kellereigruppe, die unter der Leitung von Vater und Onkel sicherlich einige der wichtigsten roten Gewächse Iberiens hervorgebracht hat. Denn während das Familienunternehmen neben Lagen-Riojas eine solide Basis an traditionelleren Rioja-Cuvées anbietet, die natürlich auch für eine gewisse finanzielle Sicherheit sorgen, muss man das Cuentaviñas-Konzept als Terroir total beschreiben. Eduardo konzentriert sich fast ausnahmslos auf seinen Mikro-Kosmos, der sich auf eine Reihe von kleinen Weintälern um das Städtchen San Vicente de la Sonsierra auf der Nordseite de Ebro-Flusses beschränkt. Nur für sein Garnacha-Gewächs zieht der Weinmacher Lesegut von den Rändern auf der anderen Talseite des Ebro-Flusses heran.

La Sonsierra, ein ganz besonderer Ort

An dieser Stelle könnte man jetzt zunächst einmal Überlegungen zu der Frage anstellen, wieviel grosse Tempranillo-Terroirs denn in Spanien wirklich existieren. Aber ganz egal wie die Antwort auch ausfallen mag, diese kleine Enklave zwischen den beiden Teilen der baskischen Rioja Alavesa, die Kenner der Rioja kurz und bündig La Sonsierra nennen, gehört mit absoluter Sicherheit dazu.  Insofern sei dem Nachwuchs-Winzer an dieser Stelle gedankt, dass er mit seinen Gewächsen diese aussergewöhnlichen Weinbergsplätze sichtbar macht, deren besondere Klasse selbst an den besten Sommelier-Schulen immer noch nicht als solche gewürdigt werden. Doch zurück zu Cuentaviñas und Eduardo Eguren.

Angetreten ist der in San Vicente gebürtige Winzer schon in seinem Debut-Jahrgang mit drei Parzellenweinen. Keiner der kleinen Weinberge misst mehr als zwei Hektar, entsprechend limitiert sind die Editionen. Auch wenn der Name Cuentaviñas ein gewisses Mass an Romantik in sich trägt, basieren die Weinbergsgeschichten hinter diesen drei „parcelarios“ auf knallharten Fakten. Die Sonsierra besteht aus sieben kleinen Tälern, die sich auf ihrem Weg zum Ebro teilen, einige oberhalb des Städtchens, andere darunter. Fünf dieser „valles“ sind mit Weingärten bestockt und weisen trotz ihrer unmittelbaren Nähe zueinander erstaunlich unterschiedliche Bodensituationen auf. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich mehrere Aspekte, die sich zu einem gemeinsamen Nenner zusammenfügen. Einmal wäre da der Kalk, der stets präsent ist, wenn auch in unterschiedlicher Beschaffenheit. Zum anderen spielt der Faktor Licht eine entscheidende Rolle. Jedes dieser fünf kleinen Täler ist so geschaffen, dass der Einfallsbogen des Lichtes sehr weit gespannt ist. Sprich Tempranillo-Plots, die unter Morgen- und / oder Mittags- bzw. Abendsonne reifen sind in allen „valles“ vorhanden. Und genau dies macht das Tal-Konglomerat, welches Sonsierra genannt wird, zu einem so besonderen Platz für den Anbau hochwertigster Rotweintrauben. 

Drei Parzellen, drei Situationen

Als Kind der Sonsierra kennt Eduardo die Gegebenheiten um sein Heimat-Städtchen sehr genau. Durch den regen Austausch mit seinem Onkel Marcos, einem der besten Kenner der Nordseite des Río Ebro, hat er gelernt sich gedanklich vorzustellen, wie ein Wein gemäss des Standorts seiner Trauben ausfallen könnte. So konnte er Stück für Stück Parzellen übernehmen, die seiner Vorstellung eines kleinen aber noblen und sehr persönlichen Portfolios entsprechen. Bei seinem Einstiegswein Alomado, wie auch bei den zwei weiteren Parzellen-Gewächsen, verzichtet er auf offizielle Katasterbezeichnungen und arbeitet mit Markennamen, die den topographischen bzw. geologischen Besonderheiten des jeweiligen Rebstücks entsprechen. La Loma steht für den Hügel und beschreibt in diesem Falle eine kleine Anhöhe zwischen den Gemeinden San Vicente und Ábalos. Das zwei Hektar grosse Weinbergsareal besteht aus zwei Pflanzungsphasen, die 1964 und 1971 angelegt wurden und auf relativ tiefen Kalksand- und Lehm-Böden stehen. Da der Alomado unterhalb der Dörfer in Richtung Ebro steht, spielt auch Flussgestein schon eine gewisse Rolle. Der Weinmacher hält zwar das Ertragspotenzial in Grenzen, nimmt aber die grossen Trauben, die aufgrund der relativen Fruchtbarkeit des Platzes entstehen, gerne in Kauf. Entsprechend animierend ist der Fluss am Gaumen, die weniger ausgeprägte Konzentration und ein recht hoher Anteil an weissem Lesegut lassen einen ungemein agilen und frischen Wein entstehen.

Für viele Cuentaviñas-Fans ist hingegen Los Yelsones der repräsentativste Wein des kleinen Gutes. Den Untergrund der 1974 gepflanzte Parzelle bilden grosse Kalkbrocken über einem Gipsbett, welches auf eine Salzlagune zurückgeht, die übrigblieb, als das vorhandene Binnenmeer vor zig Millionen Jahren durch das heutige Ebrotal in Richtung Mittelmeer abfloss. Der nur ein Hektar grosse Weinberg liegt über San Vicente am unteren Ende des Canoca-Tals und weist an der Oberfläche Sand, Quarzit und etwas Lehm auf. Aber es ist natürlich der Einfluss des Kalks, der für das griffige, ja körnig wirkende Tannin verantwortlich ist und im Grunde auch die blumige Art prägt, die Los Yelsones so besonders macht. 

Ganz anders präsentiert sich schliesslich das an der Gabelung des Canoca-Tals gelegene El Tiznado-Rebstück, welches aufgrund des hohen Eisengehaltes auch optisch aus der Reihe fällt. Über einen halben Hektar ziehen sich die 1923 gesetzten Stöcke auf rotliegendem Material mit Sandsteinuntergrund, der sich in der Tiefe mit Kalk vermischt. Der Name leitet sich vom spanischen Verb „teñir“ für färben ab, und bezieht sich auf die Auswirkungen des Eisenoxids. Wie der Boden so der gleichnamige Wein, dem aufgrund seines ausgesprochen markanten Charakters die Flaggschiffrolle im Cuentaviñas Portfolio zukommt. Die Tiefe und disziplinierte Kraft, flankiert von einer fast schon spröden Mineralität und der spektakulären dunklen Beerigkeit geben diesem sehr markanten Tempranillo eine enorme Bandbreite an Nuancen mit auf den Weg. Es verlangt schon ein geballtes Mass an Aufmerksamkeit, um sich diesen Ausnahme-Tempranillo in seiner Gänze zu erschliessen.     

Mit freundlicher Genehmigung von David Schwarzwälder | Fachjournalist für iberische Weine

 

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